19.02.2020

Studie zeigt: Neue Mobilitätsdienste nur in Kombination mit öffentlichem Nahverkehr nachhaltig

Im Rahmen der Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie der Bundesregierung untersuchte die PTV die Verlagerungswirkungen und Umwelteffekte von Mobility-as-a-Service & Co.

Karlsruhe, 19.02.2020 E-Scooter, Mobility-as-a-Service, Carsharing – immer neue Mobilitätsangebote erobern unsere Straßen, ständig drängen neue Anbieter auf den Markt. Doch inwieweit können diese in Zukunft zu einem nachhaltigeren Verkehr beitragen? Mit dieser Frage beschäftigte sich ein jetzt veröffentlichtes Gutachten, das im Rahmen der Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie (MKS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur beauftragt wurde.

Die Studie unter der Leitung der PTV, erörterte, wie sich neue Mobilitätsangebote im Zusammenspiel mit konventionellen Verkehrsträgern in Zukunft (bis 2030 bzw. 2050) entwickeln werden und welchen Einfluss dies auf den Verkehr und die Umwelt haben wird. Die Wissenschaftler*innen erstellten zunächst eine umfassende Marktübersicht der aktuellen Mobilitätsangebote und deren Nachfrage. Zudem analysierten sie, welche unterschiedlichen Faktoren die Menschen beeinflussen, ihr Mobilitätsverhalten zu verändern.

Mit Hilfe dieser Analysen erarbeiteten die Forscher*innen zwei mögliche Zukunftsszenarien. In Szenario A, dem „Behutsamen Mobilitätswandel“, ging man davon aus, dass bedarfsgerechte Beförderungsleistungen rechtlich erleichtert werden, sich in der Verkehrspolitik und im Verkehrsverhalten in den kommenden Jahren aber nur moderat etwas ändert. Im Szenario B wurde ein „Umfassender Mobilitätswandel“ angenommen – also eine ganzheitlich gedachte, verkehrsträgerübergreifende und damit nachhaltige Verkehrspolitik mit einer gezielten Förderung des ÖPNV sowie des Rad- und Fußverkehrs. Da sich Angebotsbedingungen und Nachfragestruktur im urbanen und ländlichen Raum stark unterscheiden, betrachteten sie dabei insgesamt vier verschiedenen Lebensräume: Von der Großstadt über den städtischen und ländlichen Kreis bis hin zum dünn besiedelten ländlichen Raum.

Um die Zukunftsszenarien zu validieren, simulierte das Forschungsteam im Anschluss verschiedene Fragenstellung mit PTV-Software. Wie effizient sind Rideselling, also kommerzielle Fahrten mit privatem Pkw, und On-Demand-Angebote in den unterschiedlichen Lebensräumen? Wie ändert sich die Fahrleistung, also die Gesamtzahl der Kilometer, die von allen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden? Wie verschiebt sich die Auslastung der Fahrzeuge?

 

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie

Zum Vergleich der Ergebnisse wurde das MKS-Referenzszenario herangezogen, in dem alle von der Bundesregierung bis zum Jahr 2017 auf den Weg gebrachten verkehrlichen Maßnahmen enthalten sind.

 

  • In Szenario A „Behutsamer Mobilitätswandel“ kommen neue Mobilitätsangebote 2030 auf einen Anteil von fünf Prozent an der Verkehrsleistung, in Szenario B „Umfassender Mobilitätswandel“ sind es elf Prozent.
  • Bis 2050 steigt der Anteil noch weiter, in Szenario A auf ca. neun Prozent
  • in Szenario B auf fast 17 Prozent.
  • In Szenario B nimmt der Anteil privater Pkw-Nutzung im urbanen Umfeld stetig ab, bis 2030 um knapp 14 Prozent.
  • In Szenario A steigt die Fahrleistung, also die Gesamtzahl der mit allen Verkehrsmitteln gefahren Kilometer bis 2030 um 1,2 Prozent.
  • In Szenario B sinkt die Fahrleistung bis 2030 um acht Prozent.
  • Die CO2-Emissionen sinken in beiden Szenarien bis 2030. In Szenario A um 1,8 Prozent, in Szenario B um 13 Prozent 

 

„Unsere Auswertungen haben klar gezeigt, dass Mobilitätskonzepte ganzheitlich gedacht werden müssen, um deutliche Klima- und Umwelteffekte zu erzielen. Neue und weiterentwickelte Mobilitätsangebote schaffen zunächst einmal neue Optionen, das heißt sie erhöhen die Mobilität der Bevölkerung insgesamt.“, erklärt Rimbert Schürmann, Leiter der Studie von der PTV Transport Consult. „Trotz des so entstehenden Mehrverkehrs können neue Mobilitätsangebote aber dazu beitragen, die Treibhausgasemissionen zu senken. Die besten Effekte zeigen sich, wenn nicht nur die neuen Mobilitätsangebote gefördert werden. Gleichzeitig muss auch der konventionelle, nicht-motorisierte und öffentliche Verkehr gestärkt und mit den neuen Mobilitätsangeboten verknüpft werden sowie die Attraktivität des Privat-Pkws gesenkt werden.“

Aus ihrer Analyse leitete das Forschungsteam konkrete Handlungsempfehlungen ab, um neue Mobilitätsangebote als Teil von integrierten Mobilitätskonzepten zu fördern.

Die umfassende Studie steht hier zum Download bereit: http://ptv.to/f6

Über die Studie

Die zwei Jahre (2017-2019) laufende Studie „Verlagerungswirkungen und Umwelteffekte veränderter Mobilitätskonzepte im Personenverkehr“ wurde im Rahmen der der Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie (MKS) vom Bundeministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur beauftragt. Neben der PTV Group waren das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI sowie das Unternehmen M-Five am Gutachten beteiligt. 

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Die PTV Group betrachtet Verkehr und Logistik als Ganzes, um Mobilität zukunftsfähig zu gestalten. Ausgezeichnet als Weltmarktführer entwickelt das Unternehmen intelligente Softwarelösungen für die Transportlogistik, die Verkehrsplanung und das Verkehrsmanagement. Das hilft Städten, Unternehmen und Personen dabei, Zeit und Kosten zu sparen, Straßen sicherer zu machen und Auswirkungen auf die Umwelt zu minimieren. Die PTV setzt ihr weltweit einzigartiges Expertenwissen zu allen Facetten der Mobilität dafür ein, dass Menschen und Güter rechtzeitig, sicher und ressourcenschonend ihre Ziele erreichen.

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In einer MKS-Studie untersuchte ein Forschungsteam unter der Leitung der PTV, wie neue Mobilitätsangebote in Zukunft zu einem nachhaltigeren Verkehr beitragen können.

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